
Im Jahre 1905 wurde der Grundstein für die Kapelle an der Elpke gelegt; die katholischen Christen im Osten der Stadt Bielefeld sollten auf Wunsch der Jodokus-Gemeinde ein eigenes Zentrum erhalten.
Am 28. Juni 1906 konnte die Kapelle geweiht werden. Sie erhielt den Namen
Marienkapelle,
den sie bis zum Jahr 1946 trug. Herr Vikar Brachetti, der die Gemeinde im September 1906 übernahm, betreute zunächst 346 Katholiken aus den Ortschaften Asemissen, Grävinghagen, Heepen, Hillegossen, Lämershagen, Sieker, Stieghorst und Ubbedissen.

Der Grundstein zur heutigen St. Bonifatiuskirche wurde 1956 gelegt. Die Gemeinde selbst darf aber auf eine viel längere Tradition zurückblicken. Daran soll uns, die zum diesjährigen Gemeindefest - im Windfang zum Hauptportal – aufgestellte Glocke erinnern.
Sie stammt nämlich aus der früheren Marienkapelle. Die Marienkapelle wurde bereits 1905/1906 in der damals noch selbständigen Ortschaft Sieker gebaut.. Der Standort war ungefähr an der heutigen Straßenbahnhaltestelle Elpke. Der Kapelle war ein Schulraum und eine Wohnung angegliedert.
Für die damalige „Missionsstation“ fungierte die St. Jodokus-Gemeinde in Bielefeld als Bauherr. Die seel-sorgerische Arbeit wurde ebenfalls von St. Jodokus übernommen. Nachdem 1936 die Liebfrauenkirche
gebaut war, wurde die Gottesdienststation Elpke der neuen Kirche angegliedert.
Durch den großen Zuzug der Heimatvertriebenen ab Frühjahr 1946 - der größte Teil kam aus katholischen Gegenden – platzte die Marienkapelle aus allen Nähten. Deshalb wurde unserer Gemeinde ab 1.12.46 die seel-sorgerische Selbständigkeit übertragen, zur Pfarrikarie erhoben und der Name st. Bonifatius gegeben.
1952 erhielten wir auch die eigene Vermögensverwaltung und Kirchenvorstand. Die heutige St. Bonifatiuskirche wurde am 9.6.1957 durch den Erzbischof Jaeger aus Paderborn geweiht.. Aus der Marienkapelle konnten nur wenige Einrichtungsgegenstände mitgenommen und in der neuen Kirch verwertet werden.
Ein besonders wertvolles Stück ist die jetzt aufgestellte Glocke, die in der Zwischenzeit im Keller gelagert wurde. In lateinischer Sprache steht auf der Glocke folgende Inschrift:
„Erinnere dich an die glückseligste Jungfrau Maria – im Jahre 1906“
Bereits vor annähernd 100 Jahren wurde mit jedem Glockenschlag diese Botschaft verkündet, die auch heute noch aktuell ist. Denken wir daran!
Heinz Ratajski

Immer deutlicher zeigt sich, dass die ehemalige MARIENKAPELLE zu klein war, um der großen Gemeinde Platz zu bieten. Deshalb trat der Kirchenvorstand in Verhandlungen mit der Stadt Bielefeld ein und kaufte am 01.01.1956 das Gelände an der Stieghorster Straße für den Neubau einer Kirche.
Der Wunsch der Gemeinde, die neue Kirche als modernen Rundbau anzulegen, wurde abgelehnt. Stattdessen wurde dann der Entwurf der Architekten Pothast & Schmidt genehmigt. Die veranschlagte Bausumme für Kirche, Sakristei und Pfarrhaus betrug 437.000,-- DM (nach heutiger "Währung" 223.434,55 €).
Am 14. Oktober 1956 wurde unter großer Beteiligung der Gemeinde der Grundstein gelegt. Dem Mauerwerk beigegeben wurden einige Steine von der Stätte in Dokkum/Holland, wo der hl. Bonifatius den Märtyrertod fand.
Zum Jahreswechsel 1956/57 konnten das Pfarrhaus und die Kirche schon gerichtet werden. Nach nur neunmonatiger Bauzeit war die Kirche soweit fertiggestellt, dass die Weihe stattfinden konnte. Am Pfingstsonnabend des Jahres 1957, vier Tage nach dem Fest des hl. Bonifatius, wurde die neue Bonifatius-Kirche von Herrn Erzbischof Lorenz Jaeger konsekriert.
Zwar fehlten der Kirch zu diesem Zeitpunkt noch die Heizung und wichtige Teile der Innenausstattung; die Fenster waren nur notverglast. Doch diese Mängel schmälerten nicht die Freude der Gemeinde.
Die nächsten Jahre brachten der Kirche eine Reihe wertvoller Bereicherungen. So erhielt sie 1959 eine neue Orgel geschenkt. 1960 wurden drei Glocken für die Kirche geweiht. Gegen Ende des Jahres 1960 konnten die neuen Fenster bewundert werden, die von Frau Erentrud aus der Abtei Varensell entworfen worden waren.
Diese Künstlerin entwarf auch das Altarbild, eine Darstellung der Geistsendung, den aus Silber getriebenen Tabernakel und den neuen Kreuzweg, der auch von der Künstlerin selbst gestaltet worden ist.
Die aufgrund der Liturgiereform notwendige Veränderung des Chorraumes wurde im November 1966 durchgeführt; unter anderem wurde der ‚Altar vorgezogen; drei Altarstufen wurden entfernt.
Schon am 01.04.1958 hatte die BONIFATIUS-KIRCHE ihre volle Eigenständigkeit erhalten. Sie wurde zur selbständigen Pfarrei. Zum ersten Pfarrer wurde Heinrich Kraft ernannt, der schon als Pfarrvikar in der Gemeinde gewirkt hatte. Er wurde 1965 versetzt. Der Erzbischof ernannte darauf Herrn Pfarrer Josef Weber zu seinem Nachfolger

Der Wunsch der Gemeinde, geeignete und große Räumlichkeiten für Feste, Vorträge, Gruppenstunden, Sitzungen etc. zu haben, führte zur Planung eines Gemeindezentrums. Nach langwierigen Verhandlungen konnte am 07.04.1976 endlich mit dem ausheben der baugrube begonnen werden.
Eine böse Überraschung gab es allerdings, als die Arbeiter auf Grundwasser stießen. Kurzfristig musste der Bau einer Betonwanne beschlossen werden, was Mehrkosten in Höhe von 26.000,-- DM brachte.
Dann aber war es möglich, zügig weiterzubauen, so dass im September das Richtfest gefeiert werden konnte.
Viele freiwillige Helfer stellten sich abends und an den Wochenenden zur Verfügung, um am Haus zu arbeiten. Im Rahmen eines Gemeindefestes konnte das Bonifatius-Haus am 05.11.1977 eingeweiht werden.
Seitdem stellt das haus einen wichtigen Treffpunkt für jung und alt dar und wird für vielfältige Aktivitäten der Gemeinde genutzt.

... unser Kirchenpatron
Bonifatius (Winfried) wurde ca. 672/75 in der Nähe von Exeter/England geboren. Seine Erziehung erhielt er in den Benediktiner-Klöstern Exeter und Nursling. Nach verschiedenen Tätigkeiten wandte sich bonifatius 716 der Mission zu. Sein erster Missionsversuch bei den Friesen scheiterte am Aufstand des Friesenherzogs Radbod und ließ ihn erfahren, dass Germanen-Mission ohne Rückhalt an der politischen Gewalt ohne Erfolg blieb. Trotz der Wahl zum Abt von Nursling zog Bonifatius erneut in die Mission, bemühte sich aber zunächst um die Sendung des Papstes. Vom Papst Gregor II. erhielt er die Missionsvollmacht und den Namen: Bonifatius.
In Thüringen, dem äußersten Vorposten Willibrords wollte er seine Missionsarbeit beginnen. Diese war aber sehr schwierig und der Erfolg nur gering. Seit 721 wirkte Bonifatius dann aber erfolgreich unter den Hessen und gründete Amöneburg. Weitere Klostergründungen folgten in Ohrdruf, Fritzlar, Tauberbischofsheim, Kitzingen, Ochsenfurt, Hersfeld und Fulda.
Die Klöster waren Stätten der Kultur und christlichen Lebens mit starker missionarischer Ausstrahlung. In ihnen sollte auch der Klerus aus dem Geist der angelsächsischen Romverbundenheit erneuert werden. Die Heidenmission war ein kleiner Ausschnitt seiner Tätigkeit.
Die eigentliche Bedeutung des „Apostels der Deutschen“ liegt in der Reform der Kirche Deutschland. Winfried so hieß Bonifatius von Haus aus – gehörte noch ins goldene Zeitalter der angelsächsischen Kirche. Die von Liebe zur Wissenschaft geprägte Frömmigkeit, die in den zahlreichen Klöstern lebendige Stätten gefunden hatte, formte ihn tief. Seine Landsleute in England vergaßen ihn nicht und nach und nach folgten ihm die Besten und Eifrigsten in das fremde Land: Ein Wigbert, ein Burchard, die Brüder Willibald und Wunibald, ihre Schwester Walburga eine Lioba und viele andere.
Zur geistigen Erneuerung und organisatorischen Festigung der noch jungen deutschen Kirche wurden Bistümer errichtet und in einer Kirchenprovinz zusammengefasst. Ihr sollte Bonifatius als Erzbischof vorstehen. Im Jahre 743 fand dann die erste gesamtdeutsche Synode statt.
Misserfolg und Zurücksetzung begleiteten ihn sein Leben lang. Unter dem mächtigen Adels des fränkischen Reiches und einem Großteil des einheimischen Klerus hatte er viele Gegner; aber er kannte keine Resignation. Allmählich begann sich die Kirche unter seinem Einfluss zu wandeln, aber erst nach seinem Tode reifte die Ernte richtig und die Grundlegung des christlichen Abendlandes war durch sein stetes Mühen Wirklichkeit geworden.
Noch als 80jähriger zog er zur Mission unter den Friesen aus. Dabei wurde er am 05. Juni 754 zusammen mit 50 Gefährten von einer Schar beutegieriger Heiden bei Dokkum erschlagen. Der Dom zu Fulda wurde seine letzte Ruhestätte.